Mein erstes Mal… Nähtutorial mit Marlen

Nachdem wir nun den Blog Marmel ins Leben gerufen haben und ich mich fast täglich dafür mit Schnittmustern, Stoffen und Marlens Ideenreichtum beschäftige, hat es mich immer mehr gereizt, auch mal an der Nähmaschine zu sitzen. Also rief ich Marlen an und fragte, ob sie mir das mal zeigen könnte. „Na klar, ein Nähtutorial!“ sagte Marlen und am letzten Dienstag war es dann auch schon soweit. Nach der Arbeit fuhr ich zu Marlen. In der Zwischenzeit hatte sie schon den Plan geschmiedet, mich ins kalte Wasser zu werfen.

Ich hatte mir ja bereits Stoff bei mir um die Ecke in Emilys Nähstübchen gekauft und ich wollte auch unbedingt eine Fine von EvLi’s Needle in meinem Kleiderschrank haben. Nur bin ich bis dahin davon ausgegangen, dass Marlen die Fine für mich schneidert. „Am besten lernst du das, wenn du gleich ein richtiges Teil nähst. Du kannst die Fine gleich selbst nähen.“ Ich geriet in Panik. Was ist, wenn ich es verbocke? Dann ist der teure Stoff dahin. Marlen beruhigte mich und meinte, man könne vieles retten. Das Schnittmuster hatte Marlen für das Nähtutorial bereits ausgedruckt und zugeschnitten.

Step 1: Stoff legen und die einzelnen Teile des Schnittmusters anheften

„Der Stoff muss links auf links liegen. Also rechts ist die gute Seite, in deinem Fall die mit den Blättern, die du ja dann außen auf deinem Kleid haben möchtest. Links ist die „schlechte“ Seite. Und dann musst du den Fadenlauf beachten, legst das Schnittmuster für die Kleid-Rückseite an den Stoffbruch und steckst ab. Wenn du damit fertig bist, machst du das mit dem Vorderteil genauso.“ Fadenlauf??? Ich starrte Marlen wie das erste Auto an. Marlen erklärte mir dann, dass man den Fadenlauf beachten muss, damit den Stoff des fertigen Kleidungsstückes besser dehnen kann. Mit ein bisschen Übung würde man ihn erkennen. In meinem Fall war es wieder leicht: so wie die Blätter verlaufen. Gut, dass ich mir einen Stoff mit Muster gekauft hatte… puhhh…. klingt alles gar nicht so einfach. Ich steckte nun meine Schnittmuster-Teile ab und schnitt aus.

Schnittmuster Fine-Nähtutorial

Schnittmuster Fine-Arme-Nähtutorial

Step 2: Nähmaschine kennenlernen und loslegen

„Nachdem du jetzt die Teile ausgeschnitten hast, kannst du sie zusammennähen. Zuerst nehmen wir die normale Nähmaschine, um das Vorder- und Rückteil oben an den Schultern zusammenzunähen. Ich zeig dir das kurz…“ Marlen nähte kurz vor und wieder zurück, dann bis zum Ende und wieder kurz zurück. „Das macht man so, damit sich der Faden nicht wieder auftrennt.“ Marlen schnitt die Fäden ab und schwenkte von ihrer normalen Nähmaschine zur Overlock um. Die Fragezeichen in meinen Augen wurden größer. Nun bekam ich eine ausgiebige Erklärung, welche Stiche mit welcher Maschine genäht werden können, für welche Stoffe die Maschinen geeignet sind und natürlich eine ausführliche Vorführung des Einfädelns einer Overlock. Ich muss zugeben, das Einfädeln habe ich mir nicht gemerkt…

„Nun kannst du die Ärmel annähen. Du legst die zwei Stoffhälften aufeinander und steckst sie ab. Dann kannst du es durch die Nähmaschine ziehen.“ Voller Panik bewegte ich meine Hände, während mein Fuß pausenlos versuchte, nicht so durchzudrücken wie bei meinem Gaspedal im Auto. „Du nähst zu schnell! Drück nicht zu sehr auf den Fußtaster.“ belehrte Marlen den Bleifuß. Die erste Naht war geschafft! Sieht gar nicht so schlecht aus, dachte ich mir. Marlen war begeistert: “ Das sieht gut aus! Jetzt nähst du die andere Seite zusammen, steckst dir die offenen Seiten noch ab und nähst die auch gleich noch zusammen. Unten musst du aber offen lassen 😉 “ Marlen verließ den Raum…

Step 3: Training on the Job

Wo geht sie denn jetzt hin? dachte ich mir. Das ist ja wie schwimmen ohne Schwimmflügel. Aber mir blieb nichts anderes übrig, als weiterzunähen. Es machte ja auch sehr großen Spaß. Ich nähte und nähte. Zwischendurch hörte ich Marlen gelegentlich rufen „Näh nicht zu schnell, ich höre das doch schon wieder!“. Als ich alles fertig genäht hatte (außer unten) ging ich mit einigen Zweifeln zu Marlen, um mein Ergebnis zu präsentieren. „Das hast du richtig gut gemacht, so gut sah mein erstes Teil nicht aus. Und deine Fingerfertigkeit an der Maschine ist beeindruckend.“ Ich starrte sie an. Das kann doch nicht sein. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie mit einer Nähmaschine genäht. Marlen bestätigte mir noch einmal, das es wirklich für das erste Mal sehr gut geworden ist. Ich überlegte mir, woher ich das haben könnte: entweder war ich in meinem vorherigen Leben Schneider oder so ein Talent ist erblich. Aber auf jeden Fall ist Marlen eine sehr sehr gute Lehrerin! Und ich hatte ich Lunte gerochen… und mein neues Hobby gefunden.

Anmerkung: Den Saum haben wir an dem Abend nicht mehr geschafft. Dazu mehr in Teil 2 des Nähtutorials.

 

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